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Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des HVT.
Stand: Endstände
Berlin (MSPW) Zwei Fußball-Fans dominieren den deutschen Trabrennsport. Als Nachfolger des Mönchengladbachers Roland Hülskath (33), der einst als Rechtsfuß im offensiven Mittelfeld für die Jugend von Bayer 05 Uerdingen auflief, ist 2008 der erst 22-jährige Michael Nimczyk aus dem benachbarten Willich-Neersen erstmals zum besten deutschen Berufs-Trabrennfahrer aufgestiegen. Nimczyk, der für den SC Schiefbahn kickte und sogar ein Probetraining beim Bundesligisten Borussia Mönchengladbach absolvierte, sicherte sich mit 177 Siegen in der abgelaufenen Saison den Titel bei den Sulky-Profis und darf künftig den „Goldhelm“ tragen.
Roland Hülskath, Champion 2006 und 2007 sowie aktueller Europameister, reichten 141 Siege diesmal nur zu „Silber“. Dritter wurde der 69- jährige Edelbert Ohmer aus dem norddeutschen Helvesiek, der in seiner vorletzten Rennsaison mit 94 Jahressiegen den einstigen Dauer-Champion Heinz Wewering (58) hauchdünn auf Rang vier verwies. Der jetzt in Hamburg beheimatete Weltrekordler Wewering (über 16.000 Siege im Sulky) meldete sich im ersten Jahr nach seiner Rückkehr aus Italien eindrucksvoll zurück, gewann gleich 93 Rennen.
Der frühere Lehrlings-Europameister Michael Nimczyk, dessen gesamte Familie im Trabrennsport stark engagiert ist, setzte mit dem ersten Meister-Titel seine Bilderbuch-Karriere nahtlos fort. Nach den Plätzen drei und zwei in den beiden vorausgegangenen Jahren folgte nun schon im dritten Profi-Jahr die vorläufige Krönung. „Ich hätte nicht geglaubt, so früh schon den Titel gewinnen zu können. Dafür danke ich den Besitzern, die mir vertrauen und die Treue halten“, sagte der bescheidene Champion, der sich nun erstmals für die EM qualifiziert hat, aber auch andere hohe Ziele ins Visier nimmt. „Mein Traum ist ein Sieg im Derby. Das ist das Größte, was ein Trabrennfahrer in Deutschland erreichen kann“, so Nimczyk.
Vorgänger Roland Hülskath nahm den Verlust des „Goldhelms“ gelassen, gratulierte fair. „Ich freue mich für Michael, den ich schon seit Kindesbeinen kenne. Er ist ein sehr talentierter Fahrer und hatte im vergangenen Jahr auch die besseren Pferde. Ich sehe das positiv. So gibt es keinen Stillstand“, betonte Hülskath: „In der Formel 1 folgte Fernando Alonso auf die Ära von Michael Schumacher, jetzt ist mit Lewis Hamilton ein ganz junger Fahrer Weltmeister. Ähnlich ist es auch im Trabrennsport. Nach Wewering trug ich den ‚Goldhelm’. Jetzt ist Michael an der Reihe.“
Fast genauso knapp wie am „Bronzehelm“ schrammte Heinz Wewering auch am Championat bei den Traber-Trainern vorbei. Der zweimalige Welt- und viermalige Europameister, der seit einem Jahr als Privattrainer bei Großbesitzerin Marion Jauß (Neritz) beschäftigt ist, kam auf 107 Siege als Trainer und musste erst auf den letzten Metern lediglich Titelverteidiger Gerhard Holtermann (Dülmen) den Vortritt lassen, der 109 Sieger vorbereitet hatte und seinen dritten Titel in Serie perfekt machte. Der drittplatzierte Daniel Wagner (Prieros) folgte mit 97 Siegen schon mit einigem Abstand. Holtermann (52) hat 2009 weniger das Championat, sondern vielmehr das Derby im Visier: „Ich habe einige vielversprechende Dreijährige im Stall.“
Auf Anhieb wieder gewinnreichster Trainer war allerdings „Altmeister“ Heinz Wewering. Die von ihm betreuten Pferde trabten Preisgelder in Höhe von 307.457 Euro zusammen. Damit hatte Wewering auch großen Anteil am Besitzer-Championat seiner „Chefin“ Marion Jauß (69), deren Traber 259.692 Euro verdienten. Jauß, die einst selbst eine der erfolgreichsten Trabrenn-Amateurfahrerinnen war, löste damit Max Schwarz (Stall M.S. Diamanten) an der Spitze ab. Der Unternehmer aus dem bayerischen Langenmosen konnte sich dafür mit dem erneuten Gewinn des Züchter-Championats trösten. Die von ihm gezogenen Traber gewannen 2008 Prämien in Höhe von 340.760 Euro.
Heiß umkämpft war bis zum letzten Tag des Jahres der Titel bei den Trabreitern. Dann musste die gerade einmal 1,59 Meter große Titelverteidigerin Marisa Bock (28/Recklinghausen) dem noch drei Zentimeter kleineren Bayern Franz Forstner (52/Straubing) zum ersten Championat gratulieren. Am Silvester-Tag machte Forstner mit seinem 21. Jahressieg den Titel perfekt. Marisa Bock (20 Erfolge) freute sich mit: „Für unseren Sport war dieser knappe Ausgang eine Riesensache. Deshalb bin ich auch nicht enttäuscht.“ Franz Forstner, ein gelernter Elektriker, der auch als Bahnwart auf der Trabrennbahn in Straubing arbeitet, ist eine Art Paradiesvogel beim Trabreiten. Er ist nämlich fast immer der einzige Mann im Teilnehmer-Feld des Trabreitens, bringt dafür als Leichtgewicht mit nur 62 Kilogramm Gewicht aber beste Voraussetzungen mit. „Dabei hatte ich nie eine Reitstunde“, verrät der neue Champion.
Erstmals erfolgreichster Amateurfahrer in Deutschland war Hans-Jürgen von Holdt (37/Neu Wulmstorf) mit 47 Siegen vor Marie Lindinger (29/Aschheim), die 35 Rennen gewann, und der vielfachen Championesse Rita Drees (66/Gronau-Epe) mit 30 vollen Erfolgen. Zum zweiten Mal in Folge holte sich derweil Kornelius Kluth (21/Hamburg) mit zwölf Siegfahrten den Titel bei den Lehrlingen. Seine Ausbildung absolvierte die neue norddeutsche Nachwuchshoffnung im übrigen beim aktuellen „Bronzehelm“ Edelbert Ohmer. „Kornelius ist sehr talentiert, könnte mal in meine Fußstapfen treten“, lobte Ohmer seinen Schützling.