|

Es geht um die Nachfolge von Zar As
(mspw). Erstmals in seiner Geschichte wird das Deutsche Traber-Derby 2010 nach einem neuen Modus ausgetragen. An zwei Sonntagen und mit einem Abstand von sieben Tagen kann die Elite der besten deutschen Hengste und Wallache am 25. Juli und 1. August auf der Trabrennbahn in Berlin-Mariendorf beweisen, wer der Beste des Dreijährigen-Jahrgangs ist und als 115. Derby-Sieger in die Annalen des deutschen Trabrennsports eingeht. Der Lorbeer könnte auch an eine „Sie“ gehen, denn mit Finca geht die einzige Stute durchaus mit guten Chancen in den Wettbewerb.
Es geht um die Nachfolge von Zar As, der im Vorjahr mit Roland Hülskath für niederländische Farben das Derby gewinnen konnte. Der schon vor dem Derby 2009 höchst anfällige Zar As war wegen diverser gesundheitlicher Probleme danach nicht mehr im Renneinsatz.
In vier Vorläufen, dotiert mit jeweils 20.000 Euro, bemühen sich insgesamt 30 Vertreter des starken Geschlechts um den Einzug ins lukrative Finale. Die jeweils beiden Erstplatzierten sowie die zwei zeitschnellsten Dritten erreichen den Endlauf auf der traditionsreichen Rennbahn in Berlin-Mariendorf. Spitzenfahrer wie Heinz Wewering und Heli Biendl sind sich einig: „So offen war das Derby wohl seit Jahren nicht. Alles ist möglich.“
Dabei spannen sowohl Wewering als auch Biendl mit den frischen Siegern Unikum (4. Vorlauf), der in Finnland trainiert wird, sowie Sahir (3. Vorlauf) aus dem Gestüt Stormy Horses (Besitzer: Jörg Brandt/Scharbeutz) zwei Hengste an, die nach bisher gezeigten Leistungen zum engeren Favoritenkreis zählen.
Was Unikum, dessen Trainer den Hengst auch beim Schwimmen in finnischen Seen Kondition bolzen lässt, zu leisten im Stande ist, bewies er nach einer siegreichen Wewering-Glanzfahrt zuletzt bei der Generalprobe im Buddenbrock-Rennen. Da finishte der 29-fache deutsche Champion den zunächst höher eingeschätzten Velten Couture mit Hans-Joachim Tipke genau auf der Linie noch zu einem begeisternden Erfolg.
Wewering trifft nun mit dem von Heinz Platvoet im münsterländischen Drensteinfurt gezogenen „Finnen“ auf Baltimore As aus dem Stall von Marion Jauß (Fahrer: Roland Hülskath). Jauß und Wewering hatten sich kürzlich getrennt. Als „lachender“ Dritter könnte sich Toolbox mit Cees Kamminga in dieses Duell einschalten. Winterfavorit Super Neo (Besitzer: Henno Sürder) muss seine letzten Leistungen mit Thomas Panschow im Sulky steigern.
Heli Biendls Sieg-Vorstellung mit Sahir in Gelsenkirchen erfolgte „mit Ansagen“. Allerdings wird Sahir nun in Berlin zeigen müssen, welchen Stellenwert der hart erkämpfte Erfolg gegen Armando Kievitshof mit Cees Kamminga hat.
Beide treffen nun im 3. Derby-Vorlauf erneut aufeinander. Heinz Wewerring steuert mit Golden Sunlight aus dem Besitz des Berliner Unternehmers und Mariendorfer Präsidenten Ulrich Mommert einen Kandidaten, der zuletzt zwei 15-er-Zeiten zu bieten hatte. Baron W. überzeugte in Berlin in der Buddenbrock-Entlastung, als ihn der in Oberhausen lebende Bayer Michael Schmid mit enormer Schlussgeschwindigkeit noch auf Rang zwei hinter einem freilich sehr überlegenen Mary’s Boy mit Robbin Bot vorpreschen ließ.
Schon ganz früh während der Sonntag-Veranstaltung, im ersten Vorlauf nämlich, sollte Velten Couture, der Sigrid Velten aus Hochheim/Taunus gehört, trotz der letzten knappen Niederlage gegen Unikum in der Lage sein, sich für das Finale zu qualifizieren. In den Niederlanden wird Amoor Kievitshof (Stall Vibelzee von Ger Visser), gefahren von Hugo Langeweg jun. nicht erst seit seinen letzten beiden Siegen sehr hoch gehandelt. Er dürfte der härteste Prüfstein für Velten Couture werden. Geht Dschingis Khan mit Gerd Biendl nach zwei fehlerhaften Vorstellungen glatt, kann er alle Berechnungen durchkreuzen.
In Gelsenkirchen, wo er immerhin auf Sahir und Armando Kievitshof sowie Picasso traf, war er bis eingangs der Zielgeraden noch gut dabei, in Berlin scheiterte er schon kurz nach dem Start. Dass Steen Juul den in letzter Zeit in Schweden und Dänemark eingesetzten My Muscles Yankee nach Berlin „einfliegen“ lässt und Heinz Wewering als Fahrer engagierte, sollte ein Hinweis sein.
Früh (im zweiten Vorlauf) ist auch Mary’s Boy mit Robbin Bot engagiert. Nach seinem überlegenen Sieg mit dem 18-jährigen niederländischen Fahrertalent in der Buddenbrock-Entlastung ist er zweifellos ein heißer Endlauf-Kadidat. Er trifft auf Finca, die einzige Stute, die sich um den Sieg im 115. Deutschen Traber-Derby bewirbt. In Gelsenkirchen gewann sie mit Michael Schmid beeindruckend, im „Buddenbrock“ machte sie einen Fehler, als sie aus hinterem Feld in dritter Spur zu einem Angriff auf die Spitze geführt wurde. Hugo Langeweg junior soll für den Stall Vibelzee und dessen Eigner Ger Visser mit Finca wieder in die Erfolgsspur zurückkehren.